Die Ponytails von 1959 - 1964

Die beiden ersten Ponytails, die es 1959 gab, werden für die meisten Sammlerinnen und Sammler immer ein Traum bleiben – kosten sie doch je nach Zustand zwischen 3.000 und 6.000 Euro. Aber hin und wieder kann man die beiden auf Börsen bewundern. Da ich weder einen Geldesel besitze noch trotz ständiger Versuche Lottomillionärin geworden bin, kann ich keine der Schönen # 1 und # 2 mein Eigen nennen, daher gibt es von ihnen auch kein Foto hier sondern lediglich einen Ausschnitt aus dem Mattel-Katalog von 1959.


Ponytail # 1 und # 2 haben sehr markante Augenbrauen, fast in der Form eines kleinen Daches, eine weiße Iris, kräftig rote Lippe und einen schweren, festen Körper. Ponylocken und übriges Haar sind weich, die Löckchen des Ponys sind klein. Manche der Puppen haben ein sanftes Rouge. Ponytail # 1 hat in den Füßen zwei Metallzylinder, damit man sie auf die Metall-Stäbchen des dazu gelieferten Ständers aufstecken konnte. Ponytail # 2 war – bis auf die Metallzylinder in den Füßen – mit # 1 identisch. Das verwendete Plastikmaterial neigt zum Ausbleichen, viele der ersten Ponytails sind inzwischen elfenbeinfarben. Beide Puppen gab es in blond und brünett und sie trug den allseits bekannten schwarz-weiß-gestreiften Badeanzug!

 

Die Ponytails #1 und #2 sind extrem teuer, daher befindet sich keine dieser Puppen in meiner Sammlung. Das Bild ist ausgeliehen.

Ponytail # 3 erschien 1960. Die Form der Augenbrauen wurde verändert, was das Gesicht bedeutend weicher, lieblicher machte. Sie hatte jetzt  blaue Augen und wurde entweder mit braunem oder mit blauem Eyeliner produziert. Jetzt gab es auch unterschiedliche Lippenfarben: kräftiges rot, ein mattes kirschrot, ein sanftes braunrot und orange. Die Haarfarbe war blond oder brünett, von gleicher Struktur wie bei # 1 und # 2. Der Haarboden hatte eine Beflockung. Der Körper war – wie der der Vorgängerinnen – voll aus Kunststoff und relativ schwer. Auch er neigte zum Ausbleichen, wobei die Stellen, die vom Badeanzug bedeckt waren, noch fast ihre ursprüngliche rosa Farbe behalten haben.



Ponytail # 3 - brünett
Gesicht und Körper haben eine gleichmäßige Elfenbeinfarbe. Diese Puppe hat braunen Eyeliner und rot-orange-farbene Lippen. Die kleinen weichen Ponylöckchen sind nahezu perfekt.

Die Puppe trägt das Outfit “Black Magic”



Ponytail # 3 - blond
Auch sie ist elfenbeinfarben, hat braunen Eyeliner und feuerwehrrote Lippen. Bei ihr sind die Ponylöckchen leider nicht mehr vollständig erhalten. Sie trägt den schwarz-weiß-gestreiften Badeanzug, in dem die Puppen einschließlich # 5 verkauft wurden.

Die Puppen wurden in einem grafisch im Stil der 50-er Jahre gestalteten Karton verkauft. Sie trugen außer ihrem Badeanzug noch schwarze offene hochhackige Sandaletten, Creolenohrringe (bis einschl # 3) und eine weiße Brille in Schmetterlingsform. Dazu gab es einen Puppenständer und ein kleines Modeheftchen (so genannte Booklets) mit den erhältlichen Moden.



Ponytail #3/4
Dies ist eine außergewöhnliche Puppe und ich habe in der Literatur nichts darüber gefunden. Sie scheint ein Mischtyp zu sein Ursprünglich war das Gesicht mit einer hellen Farbe “gespritzt”. An den Schläfen, dem Kinn und der Nasenspitze kommt wieder der ursprüngliche rosafarbene Hautton zum Vorschein. Form der Augenbrauen und der Augen ähneln der # 3. Warum das Gesicht mit einem helleren Farbton überspritz wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Es muss aber mehrere dieser Exemplare gegeben haben, denn von einer bekannten Sammlerin und Händlerin wurden vor ein paar Jahren ebenfalls zwei Puppen mit diesen Gesichtern angeboten. Sie nannte sie “paintet faces”



Ponytail # 4 kam Ende 1960 auf den Markt – und Mattel war es nun gelungen, einen Kunststoff herzustellen, der seine ursprüngliche rosa Farbe behält. Die Bemalung war im Großen und Ganzen die der # 3, allerdings hatten jetzt alle Puppen blauen Eyeliner. Die Farbe der Augenbrauen konnte unterschiedlich sein: dunkles braun oder eine Art rehbraun. Mir persönlich kommt es so vor, als wirkten die Augen rundlicher, kleiner als die der # 3 oder # 5. Bezeichnend für den Körper der # 4 – er ist noch immer schwer und voll aus Kunststoff  – ist, dass es im oberen Bereich der Beine eine feine waagerechte Linie gibt (hervorgerufen durch die Gussform), die wie ein oberflächlicher Kratzer aussieht. Diese Moldlinie ist ein deutliches Zeichen eines # 4 Körpers.

 



Bei dieser Ponytail # 4 wieder die typischen kleinen Ponylöckchen und üppige volle rote Lippen. Sie hat sogar noch Wangenrouge!

Diese Ponytail # 4 hat die typischen kleingelockten weich Ponyhaare und sehr helle Augenbrauen.

Dies ist ebenfalls eine # 4. Die Ponylöckchen sind weit in die Stirn gezogen. Sie hat schmale Augenbrauen und den typischen Mund der # 4. Eyeliner ist blau. Lediglich die Ponytails # 3 können braunen und blauen Eyeliner haben!

Mit Ponytail # 5 kam 1961 dann die Revolution: Der Körper war nicht mehr voll aus Kunststoff, sondern er war innen hohl und somit bedeutend leichter. Das Gesicht war schmal. Die Lippenform war voller, der Lippenstift wieder feuerwehrrot, und die Haare des Ponys waren aus einem anderen Material. Es war wesentlich härter, fester als das übrige Haar. Der Kunststoff neigte auch bei dieser Puppe nicht mehr zum Ausbleichen, jedoch konnte sich im Laufe der Zeit durch chemische Reaktionen im Vinyl ein öliger Film auf dem Gesicht bilden. (Das so genannte oily face oder greasy face.) Das oily face ist ein untrügliches Zeichen für eine Ponytail # 5! Es mindert ihren Wert nicht!! Augenfarbe war auch bei dieser Puppe blau, Eyeliner ebenfalls – und zum ersten Mal gab es Barbie mit rotem Haar: kupferrot und glänzend. Die # 5 gab es offensichtlich nicht nur mit der üblichen Ponytailfrisur, sondern auch mit einem geflochtenen Zopf und verschiedenen Varianten von Hochsteckfrisuren.



Eine typische # 5 von 1961. Ab diesem Zeitpunkt wurde für den Pony ein wesentlich festeres Haarmaterial verwandt. Die übrigen Haare waren nach wie vor aus Mohair. Typisch auch der große rote Mund und die Form der Augenbrauen. Das Gesicht ist nur leicht oily.

Ebenfalls eine # 5. Hier kann man ganz besonders gut das glänzende ölige Gesicht erkennen, hervorgerufen durch chemische Reaktionen im Vinyl. Die Ponylocken sind wieder aus festem Material, die ürigen Haare sind weich. Die Augenbrauen sind sehr blass (kommt bei diesem Puppentyp auch häufig vor).

Dies ist die absolut ungewöhnlichste Ponytail, die ich je gesehen habe!! Ihre Lippen und die Farbe in den Nasenlöchern ist tatsächlich fast schwarz!!! Der Eyeliner ist in einem wunderschönen sanften blau gehalten.Die Ponylocken sind fest. Die Haare sind hochgesteckt. Ich hatte vorsichtig die Haare gelöst: sie sind sehr lang und das untere Ende ist mit einer Art Klebstoff verhärtet, so dass es sich besser nach oben einschlagen lässt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Frisur bereits in der Fabrik so hergestellt wurde. Da die Ohren einen leichten Grünschimmer haben, gehe ich davon aus, dass die schwarze Lippenfarbe das Produkt einer chemischen Reaktion mit dem Metall der Ohrringe ist, bin mir jedoch nicht sicher.

Hier eine Ponytail # 5 mit glänzenden kupferroten Haaren. Bei diesem Puppentyp wurden zum ersten Mal rote Haare verwendet. 

Ebenfalls eine # 5 mit sehr hellblonden Haaren und einem vollen Pony.

Die Ponytails von 1962 – 1964 (# 6 ist von 1962, die Puppen der folgenden Jahre hatten dann keine Nummerierung mehr) konnten sehr  viellfältig sein: Unterschiedliche Lippenfarben, von rosa über corallrot bis braunrot; schmalere Lippenform, Haarschattierungen von fast schwarz über brünett zu aschblond, erdbeerblond oder hellblond zu einem etwas matten rot. Die späten Ponytails hatten auch ein volleres, rundlicheres Gesicht. Ab jetzt trugen die Puppen einen einfachen roten Helanca-Badeanzug.



Bei den Ponytails ab # 6 kann man eine große Vielfalt an Lippenfarben erkennen. Die hier hat pinkfarbene Lippen.

Ponytail # 6 mit roten Haaren. Im Gegensatz zum Rot der # 5 ist diese Farbe matter und nicht leuchtend kupferrot. Sie hat einen kleine corallfarbenen Mund, typisch für # 6.



Hier ist bereits eine der letzten Ponytails, vermutlich aus dem Jahr 1965. Sie hat feste Ponylocken, ein rundlicheres Gesicht und wieder sehr volle weiche rote Lippen. Speziell diese Puppe ist eine meiner Lieblingspuppen!

Abschluss in der Reihe der Ponytails bildet die Swirl Ponytail. Swirl deswegen, weil ein Haarschopf quer über die Stirn gelegt, nach hinten geführt und in den Pferdeschwanz eingebunden wird. Swirls gab es in unterschiedlichen Braun- und Blondtönen und in Rot. Auch hier reichte die Lippenfarbe wieder von rosa über corallrot zu kräftigem rot,  Augenfarbe ist blau, Eyeliner ebenfalls. Es gab eine spezielle Ausgabe der Swirls nur für Europa (sie wurde im Badeanzug der Fashion Queen verkauft). Bei diesen scheinen mir die Augen besonders intensiv blau (fast mit einem Stich ins Türkis) und die Gesichtsform besonders rundlich zu sein. Der Ausdruck des Gesichtes nähert sich immer mehr dem des American Girl. Seltene Exemplare der Swirl gibt es mit dem Körper des American Girls. Gerade in den Übergangszeiten zweier verschiedener Stilrichtungen gibt es sehr interessante Varianten!



Swirl Ponytail in blond mit aprikosenfarbenen Lippen, die an den Rändern gelblich verblasst sind. Das Verblassen der Lippen ist eine typische “Krankheit” der Swirls.
Sie hat nicht mehr die Originalfrisur mit dem “Swirl”. Da die Länge des Ponytails gekürzt ist, habe ich ihr die Haare zu einem eingeschlagenen Dutt gekämmt.



Diese Swirl wurde für den Europäischen Markt hergestellt und trug den Badeanzug der Fashion Queen. Das Gesicht ist rundlich mit vollen Wangen und extrem blauen Augen. Auch hier ist die Lippenfarbe zu einem gelb verblasst. Hier erkennt man, wie die Stirnhaare zur Seite und dann nach hinten gebunden sind.

Diese rothaarige Swirl hat die korrekte Swirlfrisur und rosafarbene Lippen. Der Hautton des Gesichtes ist etwas dunkler, ein “Fehler”, der bei Swirls häufig anzutreffen ist.

Tipps für Neueinsteiger

Kein Meister fällt vom Himmel und auch kein Barbie-Experte. Neulingen wird – ob bewusst oder versehentlich, sei dahingestellt - oft Unrichtiges über die alten Puppen erzählt. Das beste Mittel, sich hiergegen zu schützen ist, möglichst häufig auf Börsen bei bekannten Händlerinnen die alten Puppen anzuschauen, auch aus der Nähe. Wenn man höflich fragt, wird man eine alte Ponytail sicher auch einmal in die Hand nehmen dürfen, um z. B. den Gewichtsunterschied einer # 3 oder # 4 zu einer # 5 und späteren Ponytail spüren zu können. Vieles ist wirklich "Erspüren". Das Material der # 3 + # 4 fühlt sich anders an als das spätere, die Arme sind z.B. weicher und lassen sich leicht biegen.

Die Nummer, die sich auf der linken Po-Seite befindet, sagt nichts über das Alter aus!!! Wenn da eine 4 drauf steht, ist es nicht automatisch eine # 4!!!

Wenn eine Puppe mit elfenbeinfarbenem Körper und braunem Eyeliner rote Haare hat, kann es sich nur um ein Reroot-Produkt (Puppe mit nachträglich neu eingezogenen Haaren) handeln, denn rote Haare gab es bei Ponytails erst ab # 5!!!

Nachgemalte Lippen erkennt man häufig schon an der Form, mit ein bisschen geübtem Blick auch am Farbauftrag und der Farbnuance.

Markierungen befinden sich auf der rechten Seite des Pos.

Die Markierungen der # 1 - # 4 (1959 -+ 1960): Barbie TM / Pats Pend ( © MCMLVIII/by / Mattel / Inc.

Markierungen der # 5 und # 6 (1961+ 1962): Barbie ® / Pats.Pend. / © MCMLVIII / by / Mattel / Inc.

Markierungen der weiteren (1963): Midge TM © 1962 / Barbie ® / © 1958 / by / Mattel/Inc.

Markierungen der weiteren (1964) Midge TM © 1962 / Barbie ® / © 1958/by/Mattel/Inc./patented